Kommune Website Relaunch: Schritt-für-Schritt Planung
Ein Relaunch der kommunalen Website ist kein normales Web-Projekt. Politische Abstimmungen, Vergaberecht, Barrierefreiheitspflichten und viele interne Stakeholder machen es zu einem komplexen Vorhaben. Dieser Leitfaden hilft Ihnen dabei, es strukturiert anzugehen.
Phase 1: Interner Konsens und Bedarfsanalyse
Bevor eine Agentur beauftragt wird: Klären Sie intern welche Abteilungen welche Anforderungen haben. Bürgeramt, Stadtplanung, Kultur, Schulen, Kitas – alle haben unterschiedliche Bedürfnisse. Ein Lenkungsausschuss oder Projektteam mit Vertretern der wichtigsten Bereiche ist unerlässlich.
Bürger-Befragungen oder Nutzertest-Sessions mit echten Bürgern liefern wertvolleres Feedback als interne Meinungen.
Phase 2: Vergabeverfahren und Agenturauswahl
Bei Auftragswerten ab ca. 221.000 € (EU-Schwellenwert; wird alle zwei Jahre angepasst) ist eine europaweite Ausschreibung (OJEU) Pflicht. Darunter greifen nationale Vergaberegeln (VgV). Bereiten Sie ein detailliertes Leistungsverzeichnis vor – je präziser, desto besser vergleichbar die Angebote.
Phase 3: Konzept und Informationsarchitektur
Bürger suchen nach Leistungen, nicht nach Amtsstrukturen. Die Navigation sollte aus Bürgerperspektive aufgebaut sein: „Ich möchte..." statt „Amt für..." als Hauptstruktur. Card Sorting mit echten Bürgerinnen und Bürgern hilft bei der Findung der richtigen Struktur.
Phase 4: BITV 2.0 von Anfang an
Barrierefreiheit ist kein nachträgliches Add-on sondern muss von Beginn an in alle Entscheidungen einfließen. Farbkontraste, Alternativtexte, Tastaturnavigation, Screenreader-Kompatibilität. Eine nachträgliche Barrierefreiheits-Nachrüstung kostet 2–3× mehr als eine von Anfang an barrierefreie Website.
Phase 5: Migration und Umstieg
Redirect-Konzept für alle bestehenden URLs ist Pflicht – viele Bürger haben Links gespeichert. Schulung der Redakteure vor dem Go-Live. Mindestens 2 Wochen Parallelbetrieb empfohlen.
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