Kommune Website Relaunch: Schritt-für-Schritt Planung
Ein Relaunch der kommunalen Website ist kein normales Web-Projekt. Politische Abstimmungen, Vergaberecht, Barrierefreiheitspflichten und viele interne Stakeholder machen ihn zu einem komplexen Vorhaben. Dieser Leitfaden hilft, es strukturiert anzugehen.
Kurz gesagt
- Vor der Ausschreibung: interner Konsens, Projektteam und Bedarfsanalyse mit echten Bürgern.
- Ein präzises Leistungsverzeichnis macht Angebote vergleichbar; ab dem EU-Schwellenwert ist europaweit auszuschreiben.
- Navigation aus Bürgerperspektive, Barrierefreiheit und Redirect-Konzept von Anfang an einplanen.
- Realistischer Zeitrahmen: 6–12 Monate von Beschluss bis Go-Live.
Phase 1: Interner Konsens und Bedarfsanalyse
Bevor eine Agentur beauftragt wird: Klären Sie intern, welche Abteilungen welche Anforderungen haben. Bürgeramt, Stadtplanung, Kultur, Schulen, Kitas – alle haben unterschiedliche Bedürfnisse. Ein Projektteam mit Vertretern der wichtigsten Bereiche ist unerlässlich. Und: Bürger-Befragungen oder Nutzertests mit echten Bürgern liefern wertvolleres Feedback als interne Meinungen.
Phase 2: Vergabeverfahren und Agenturauswahl
Oberhalb des EU-Schwellenwerts (aktuell ca. 221.000 €, wird regelmäßig angepasst) ist eine europaweite Ausschreibung Pflicht; darunter greifen nationale Vergaberegeln. Bereiten Sie ein präzises Leistungsverzeichnis vor – je klarer, desto vergleichbarer die Angebote. Referenzen im kommunalen Umfeld gehören in die Bewertungsmatrix.
Phase 3: Konzept und Informationsarchitektur
Bürger suchen nach Leistungen, nicht nach Amtsstrukturen. Die Navigation gehört aus Bürgerperspektive gebaut: „Ich möchte…“ statt „Amt für…“. Card Sorting mit echten Bürgerinnen und Bürgern hilft bei der Struktur. Was Bürger konkret erwarten, haben wir hier zusammengetragen: Was Bürger wirklich brauchen.
Phase 4: Barrierefreiheit von Anfang an
BITV 2.0 ist für Kommunen Pflicht – und nachträgliche Barrierefreiheit ist teuer. Deshalb gehören WCAG-Anforderungen ins Konzept, nicht in die Abnahme: semantische Struktur, Kontraste, Tastaturbedienung, Alternativtexte, Erklärung zur Barrierefreiheit. Der Praxis-Leitfaden: BITV 2.0 mit TYPO3.
Phase 5: Migration und Redirects
Kommunale Websites haben oft Tausende Seiten und Dokumente. Ohne Content-Inventar und 301-Redirect-Konzept verlieren Bürger ihre Lesezeichen und Google seine Rankings. Die allgemeinen Regeln gelten auch hier – siehe unsere Relaunch-Checkliste –, verschärft um Amtsblätter, Satzungen und Bekanntmachungen, die dauerhaft erreichbar bleiben müssen.
Phase 6: Launch, Schulung, Betrieb
- Redakteursschulung pro Fachbereich – die Website lebt von dezentraler Pflege
- Feedback-Kanal für Bürger in den ersten Wochen
- Betriebs- und Wartungsvertrag mit klaren Reaktionszeiten
Aus der Praxis
Wie so ein Projekt real aussieht, zeigt der Relaunch für die Stadt Viernheim: TYPO3-basiert, redaktionell von der Verwaltung selbst gepflegt. Warum Behörden generell auf Open Source setzen: TYPO3 für Kommunen.
Häufige Fragen
Wie lange dauert ein kommunaler Relaunch?
Realistisch 6–12 Monate von Beschluss bis Go-Live – Vergabeverfahren und interne Abstimmungen brauchen ihre Zeit. Wer die Phasen 1–3 sauber vorbereitet, spart hinten Monate.
Können einzelne Ämter ihre Bereiche selbst pflegen?
Ja – genau dafür gibt es rollenbasierte Redaktionsrechte in TYPO3. Jeder Fachbereich pflegt seinen Bereich, das Layout bleibt geschützt.
Was ist mit dem OZG?
Der Relaunch ist der richtige Moment, Online-Services gleich mitzudenken: Formulare & Self-Service-Portale.
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